Дървен материал от www.emsien3.com

Дървени греди за покрив

Making of “Papa To Go” + 9 Top-Schreib-Tipps für Dich

Die Story von mir erschien im März/April 2013 im JournalistenBlatt und bei “Nitro”

“Ich schreibe jetzt ein Buch – nebenbei!”

Ein Buch zu schreiben, neben einem festen Job, einer mehrköpfigen Familie, einem vitalen Freundeskreis, kurz einer Mehrfachrolle im Alltag darf meines Erachtens nach mit keiner geringeren Motivation passieren als mit einer Mütze voll Idealismus. Liegt es auf der Seele oder brennt es auf den Nägeln, fällt es leicht. Stellt sich eine Idee jedoch schnell als zu komplex, zu dünn oder zu ambitioniert heraus, kann aus dem Freizeitspaß schnell ein behäbiger Klotz am Bein werden. Und dominiert nur ein kommerzieller Gedanke, wird es keine Seele haben: der „Power-Point-Präsentationseffekt“. Kurzstrecke ja, aber irgendwann ist die Luft raus. Wieder eine unvollendete Worddatei auf dem Desktop.

Ein Buch, das jedoch geschrieben werden will, löst im Autor eine enorme Manipulationskraft aus. Es lässt ihn den Wecker früh stellen, und das selbst an Wochenenden. Es verführt ihn dazu, sind die Kinder im Bett, ist das Abendessen eingenommen, der Hund ausgeführt, die verständnisvolle Gattin gehört, etc., sich den liebreizenden Wölbungen des gemütlichen Sofas zu entziehen und das System, sowohl des Computers als auch seiner selbst, abermals hochzufahren. Ran an den Tisch und rein in den Stoff. Selbst wenn die Augen brennen!

 

IMG_2075 IMG_2076 IMG_2077

Planungsübersichten zu Buch 2 – Die Komposition.

Es ist zweifelsfrei ein Grenzgang. Körperlich wie seelisch. Aber es tut gut. Der Stoff fließt aus einem hinaus und lässt den bis dato besessenen Absender endlich in Ruhe. Er lässt los. Ein merkwürdiger Akt der Befreiung, der eine große Zufriedenheit auslöst, die sich direkt im Alltag auswirkt, zunächst auf einen selbst und dann auf das gesamte Umfeld. Das Schreiben als Heilung des Selbstverursachten. Ein Energiekreislauf aus Idee, Umsetzung, Ruhe, Idee, Umsetzung, Ruhe und so weiter.

Ich habe mein erstes Buch unplanmäßig aus dem Moment heraus geschrieben. Ich wurde Vater und saß nach der Geburt meiner Tochter nachts auf der Station, um die Geschehnisse des Tages noch einmal zusammen zu fassen. Ich wollte alles festhalten: Uhrzeit, Dauer, Namen der Hebammen, des betreuenden Arztes, etc. Ich begann einen Erlebnisbericht, den ich später, weil meine Handschrift zur Unleserlichkeit neigt, in den Computer hackte. Ich ahnte zu dem Zeitpunkt nicht, dass dies der Impuls war, daraus ein Buch entstehen zu lassen. Es gab keinen Plan, es gab keine Struktur, ich schrieb einfach drauf los. Mit der Entwicklung der Kleinen und der genauen Beleuchtung und Reflexion unseres Verhaltens als Eltern, stieß ich aus meiner Sicht auf ein bislang „unentdecktes“ Terrain und somit auf den USP des Buches: Wer gab Männern wirklich mal einen schonungslosen Blick auf das Abenteuer Vaterschaft, die Vorbereitungen, das Sein und die Folgen?

Meines bis dato diesbezüglich eingeschränkten Wissens niemand, und es war mir auch egal. Hätte ich den Markt nach ähnlichen Ideen gescannt – ich hätte das Buch vermutlich wegen Desillusion nie geschrieben. Aber es war eine Herzensangelegenheit. Also keine Zweifel und unbeirrt runterschreiben. Eben genau im humorvollen Stil und mit den Schwerpunkten, wie ich es gerne selber vor der Geburt gelesen hätte.

Im ersten Gedanken tat ich es für mich. Und sicherlich für meine Frau. Für sonst niemanden. Erst im weiteren Verlauf der Arbeit nahm ich mir vor, das Buch meinen Freunden zu schenken, die ebenfalls Vater werden sollten. Damit erhielt es einen zusätzlichen Sinn.

Als geborener Frühaufsteher fummelte ich größtenteils morgens gegen 5 oder 6 Uhr an dem Buch, wenn noch alle schliefen, es still und leise war. Zwei Stunden täglich ungefähr. Manchmal griff ich auf bis dahin ungenutzte Teile meiner Arbeitszeit zurück, wie Zugfahrten zu Terminen oder Warterei an Flughäfen. Nach 21 Uhr schrieb ich selten. Dafür war ich dann schon zu lange wach. Schnell habe ich erkannt, dass in einen Tag noch mehr Arbeit reinpasst, wenn man nur will. Das nutzt jedoch früher oder später arg ab. Für den fehlenden Schlaf war deshalb das Wochenende zuständig. Guter und wichtiger Begleiteffekt: Die Wörter auf Papier müssen zwischendurch auch mal ruhen, um dann am Montag einer mit frischem Auge und Geist kritischen Betrachtung Stand zu halten. Ich muss jedoch gestehen, immer das richtige Maß an Arbeitsaufwand zu finden, ist eine Philosophie für sich, vor allem, je weiter ein Buch gediehen ist. Es bleibt ständig präsent und will bearbeitet werden. Das steigert zwar immer die Vorfreude auf die nächste Schreibsession, lässt aber ungeduldige Typen wie mich unruhig zappeln.

Nur wenn der erdachte Text mich unterhält bleibe ich auf Kurs und empfinde die lange Zeit am Schreibtisch deshalb nicht als verschwendet sondern als „gut“ investiert. Das ist ohnehin wichtig: Sich loben, sich animieren, sich Mut zusprechen, dass dieser Weg gerade ein guter und kein schlechter ist. Er lässt Entwicklung zu. Auch wenn sie manchmal unbequem ist. Aber das kennen wir ja.

IMG_2081 IMG_2080 IMG_2079

Noch mehr Planung. Und Doping: Vitamin E-Lecithin.

Die Buchprojekte trenne ich strikt von meiner beruflichen Tätigkeit. Klar, im seltenen Fall eines Leerlaufs habe ich ein Thema mal weiter recherchiert oder noch einen Absatz geschrieben, aber das war und ist die Ausnahme. Mein Gewissen lässt es nicht zu, für das eine bezahlt zu werden und das andere zu tun. Außerdem ist der Aufwand an Konzentration für mich zu groß, jedes kleine Zeitloch wieder mit dem Schreiben am Buch zu füllen. Teilweise fordern mich Fernsehproduktionen mehrere Tage am Stück, ohne, dass ich auch nur einmal mein heimliches Lieblingsprojekt anrühren kann. Das schlug mir anfangs regelrecht auf die Seele. Mittlerweile habe ich gelernt, mich damit zu arrangieren. Mein Grundsatz ist ganz einfach: Was einen ernährt hat Priorität. Der Rest ordnet sich dahinter ein. Außerdem ist ein Zwangs-Abstand die ideale Möglichkeit zum Durchatmen und zum Reflektieren des bislang Geschriebenen.

Als ich nach etwa einem Jahr mit dem Buch fertig war, druckte ich es aus und war erst mal stolz wie Bolle! Idee gehabt, umgesetzt, fertig – wie geil! Und doch fand ich es auch schade, dass es vorbei war. Ich gab es einem Freund zum Korrigieren und legte es der Hebamme vor, die meine Frau im Wochenbett betreute, um auch inhaltlich seriös und kompetent zu sein. Tja, und dann packte es mich doch: Schon im letzten Drittel des Schreibens dachte ich, du bist ein Narr, wenn du nicht zumindest einmal probierst, das Manuskript irgendwo bei einem Verlag zu platzieren. Folglich druckte ich es viermal aus, recherchierte vier für diese Form und Idee geeignete Verlage und sandte es in alle Himmelsrichtungen. Danach ging es in den Urlaub.

Plötzlich zuckte es im Süden. München. Mosaik bei Goldmann, Random House. Es war Glück, Zufall, Schicksal, was es auch war, der unaufgefordert eingesandte 20seitige Auszug aus meinem Manuskript passte perfekt in ihr Programm. Genauso wie in meines der persönlichen Traumerfüllung. Ich schickte ihnen die übrigen Seiten und auch diese stießen auf breites Grinsen. Wir besprachen, welche Themen dem Buch noch hinzugefügt werden müssten, einigten uns auf einen Autorenvertrag und dann lieferte ich innerhalb weniger Wochen die noch fehlenden Bauteile, bis es schließlich eine fertige Fassung von „Papa To Go – Schnellkurs für werdende Väter“ gab. Nach dem Lektorat folgten erneute Änderungen, der Text wurde gesetzt und schließlich lag im Frühjahr 2010 mein Buch im Handel.

Es hätte anders laufen können. Kein Zucken in den Himmelsrichtungen. Kein Anruf. Was wäre dann gewesen?

Ich hätte das Buch trotzdem gedruckt und wie zunächst geplant, verschenkt oder über eine Internetseite vertrieben. Es war tatsächlich eher der Weg das Ziel, als das Ziel selbst. Und doch, als ich es erreichte, sollte das Ergebnis der mithin mühsamen Strecke, auch anderen zuteil werden können. Es ist ein Prozess, in dem Demut und Dankbarkeit auf Freude und den Drang, es hinaus posaunen zu wollen, treffen. Wer hier vertraut, der bleibt nicht stehen, sondern geht weiter. Ich kann es nur empfehlen.

Nebenher ein Buch zu schreiben ist für mich ein Akt der Selbstliebe. Und vielleicht macht er noch andere froh. Mehr geht nicht.

IMG_1983

Mildes Wahn-Lächeln im Blumen-T-Shirt. 

 

9 Special-Tipps für den Autoren im Nebenberuf

+ Steht die Idee, der USP, lohnt es sich, ein paar Takte darüber zu brainstormen, wie die Story und der Inhalt aufgebaut und strukturiert werden sollen. Also: Baukasten raus, Struktur zimmern und zeitliche Schritte planen, sowie eine Gesamtdauer bis zur Fertigstellung des Buches. Lieber eine realistische Zeitspanne von sechs bis 12 Monaten andenken und in vielen kleinen Schritten à la jeden Tag 30 oder 60 Minuten mit voller Konzentration dran arbeiten, statt einer Überdosierung. Das frustriert zu schnell.

 

+ Wer nicht die „Herzensangelegenheit“ schreibt, sondern mit Kalkül einen Bestseller ausschütten möchte, der sollte stets schauen, was die Konkurrenz so treibt, bzw. schon getrieben hat. Bei den großen Online-Bücherhändlern lässt sich gut überprüfen, ob die eigene Idee schon von einem anderen bearbeitet wurde. Kein Hinderungsgrund, aber eine ideale Möglichkeit, sich inhaltlich abzugrenzen oder spitzer zu werden.

 

+ Um während der Schreibzeit wirklich konzentriert zu sein, empfiehlt es sich, die Browser auszuschalten. Wer es gewohnt ist, parallel im Internet zu recherchieren, kann mal überlegen, ob er diese Arbeiten nicht bereits vor dem eigentlichen Schreiben erledigen will. Textverarbeitungsprogramme, wie zum Beispiel der „OmmWriter“ dulden keine Sprünge in andere Programme. Folglich ist ein Fokussieren hier zwangsläufig. Wer lieber bei „Word“ oder „Pages“ bleibt, der sollte seinen Mailaccount für die Schreibphasen ebenfalls schließen und das Handy auf „lautlos“ oder in den Flugmodus knipsen. Die wenige Zeit, die man hat, muss störungsfrei gestaltet sein.

IMG_3241

Im Original ein brillante Geschichte. Gelesen im “voo” in Kreuzberg.

 

+ Wer nur sitzt und schreibt leidet an Bewegungsmangel. Daher kann sich jeder glücklich schätzen, der sich einen Hund hält und in der Pflicht steht, diesen auszuführen! Sport in allen erdenklichen Formen – das ist gut! Damit wird der Gefahr des Einrostens standgehalten und die Birne erhält Frischluft.

 

+ Unter dem Schreiben in der Freizeit leiden soziale Kontakte. Am besten legt man sie sich in die „Arbeitszeit“, mal auf ein Mittagessen oder einen Kaffee am Morgen. Wer seinem Biorhythmus folgt, besetzt entsprechend seine unproduktiven Zeitflächen.

 

+ Wo viel ausgeschenkt wird, muss auch wieder eingeschenkt werden. Folglich dürstet der Geist nach Inspiration. Gut, es gibt ja noch den Hauptberuf als Zeit zum „Durchatmen“, aber auch hier wird in der Regel nur mit Druck rausgehauen. Deswegen: Musik tut gut, mal etwas anderes lesen, als das eigene Skript, eine Ausstellung besuchen, etc. – Abwechslung und Ablenkung müssen sein, um neue, klare Gedanken zu fassen.

IMG_3242

Ohne den Inhalt zu kennen, aber das Layout finde ich spannend.

 

+ Spannend und inspirierend: Wie sieht der Tagesablauf von gestandenen und erprobten Autoren aus? Bei denen kann man sich immer gut Ideen für den eigenen Schreibrhythmus abschauen.

 

+ Mittlerweile gibt es Smartphone-Apps wie z.B. „Lift“, bei denen der User sein Ziel, beispielsweise das Schreiben eines Buches, erklärt, und dann seiner Social-Media-Gefolgschaft immer einen aktuellen Stand des persönlichen Fortschreitens mitteilt. Unterlässt er das, wird er von der Community an die Einhaltung seines Plans erinnert. Eine moderne Form, sich im Austausch und inspiriert und getragen von der Gruppe fühlend, dem Ziel zu nähern.

 

+ Wer ein Buch schreibt und keinen Verlag findet, hat oder will, kann es selbst als E-Book-Datei über (s)eine Webseite veräußern. Auch gibt es E-Book-Verkaufs-Portale wie Xinxii.com, wo jeder seine Ergüsse hochladen kann.

Leave a Comment